Geschichte
Ende des 12. Jahrhunderts wird die berühmte Lage erstmals als „mons rhingravii” (Berg des Rheingrafen) erwähnt und 1258 und 1259 erstmals mit Grevenberg benannt. Vor 1262 kamen durch
Schenkung Anteile an Kloster Eberbach und die Grafen von Nassau. Zum Ende des 19. Jahrhunderts und zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Zeiten höchster Reputation für die Rieslinge vom Rhein wurden die Gräfenberg-Rieslinge des Hauses Dr. Weil an den europäischen Kaiser- und Königshäusern als „Grand Crus von deutschem Boden” ebenso getrunken wie vom europäischen Grossbürgertum in den Grand Hotels auf der Achse St. Petersburg, Prag, Wien, Berlin, London und Paris.
Größe
10,8 ha
Ausrichtung
Südwest-Höhenlage als Ausläufer des Taunusgebirges mit Hang- und Steilparzellen bis 60% Steigung
Boden
mittel- und tiefgründige, steinig-grusige Böden aus Phylliten mit Lößlehmbeimengungen als wasserhaltende Schichten; durch hohen Gesteinsanteil entsprechend tiefes Wurzelwerk der Reben,
gleichzeitig aber auch gute Wasserversorgung durch wasserhaltende Schichten
Mikroklima
einerseits geschützte Süd-West-Lage im Kiedricher Talkessel mit entsprechender Besonnung und Temperaturen, andererseits gute Belüftung durch Winde, die vom Taunus her ins Rheintal ziehen.
Durch Steigung, Exposition und gute Erwärmbarkeit des Bodens perfekte Riesling-Lage mit der Möglichkeit langer Hängezeiten der Trauben bis weit in den November .
Rebsorte
100 % Riesling
Klone
Riesling-Klone Gm 24, 64, 94, 110, 198, 239
Rebdichte
5000 - 6000 Rebstöcke/ha
Ertrag
38 hl/ha (im 10-jährigen Mittel)
Rebenalter
Rebanlagen aus den Jahren seit 1954
Durchschnittsalter über 25 Jahre
Erziehung
Flachbogenerziehung
Anschnitt
4-5 Augen/m2
Weinbergspflege
Dauerbegrünung des Weinbergs,
regelmäßige Humuseinbringung durch Mist, Stroh und Grünschnitt,
kein Herbizideinsatz,
streng ertragsmindernd geführt, selektive Handlese
Weincharakteristik
Das hervorragende Mikroklima mit hohen Temperaturen und guter Besonnung der geschützten Süd-West-Lage bei gleichzeitiger guter Durchlüftung und entsprechend langen Hängezeiten der Trauben erbringt in Verbindung mit dem kargen Phyllitboden kleine, geschmacksintensive Früchte. Die daraus gewonnenen Weine sind von hoher Mineralität und Komplexität bei gleichzeitiger Finesse und Eleganz geprägt.
Die Weine
Kiedrich Gräfenberg Riesling Erstes Gewächs
Kiedrich Gräfenberg Riesling Spätlese
Kiedrich Gräfenberg Riesling Auslese
Kiedrich Gräfenberg Riesling Beerenauslese
Kiedrich Gräfenberg Riesling Eiswein
Kiedrich Gräfenberg Riesling Trockenbeerenauslese
Der Gräfenberg ist die einzige Lage weltweit, in der in einer ununterbrochenen Folge der Jahrgänge von 1989 bis heute alle Qualitätsstufen bis zur Trockenbeerenauslese geerntet werden konnten.
Versteigerung
Eine 1921er Kiedricher Berg Auslese Wachstum Dr. Weil erreichte auf der Christie‘s Raritätenversteigerung 1999 mit einem Zuschlag von DM 20.000 den höchsten Flaschenpreis weltweit für einen Wein des 20. Jahrhunderts. Mit der 1999 Kiedrich Gräfenberg Riesling Trockenbeerenauslese Goldkapsel konnte Weingut Robert Weil anlässlich der VDP-Versteigerung im Jahre 2000 mit DM 5.800 einen Weltrekordpreis für einen Wein aus aktuellem Jahrgang erreichen.
Der Gräfenberg hat nur einen Umfang von mehreren Morgen, und ist daher ein kleinerer, aber viel bedeutender Punkt, indem derselbe einen köstlichen Wein gibt. Daß der Gräfenberg besonders gut unterhalten wird, leuchtet aus allem hervor, eben so, daß seine Besitzer nichts sparen, was man an Einfassung mit guten Mauern und sonstigen Requisiten beobachet. Hier wird besonders das Spätherbsten beobachtet, was den Werth des Produktes so außerordentlich erhöhet, denn die Lage gibt nicht allein den guten Wein, sondern die Kunst muß
das Produkt zur möglichen Höhe bringen.
Joh. Ph. Bronner: Der Weinbau im Rheingaue,
von Hochheim bis Coblenz.
Heidelberg 1836 |